Die MPU besteht aus vier Teilen und dauert 4 bis 5 Stunden – wer weiß, was auf ihn zukommt, geht deutlich ruhiger hinein.
Die meisten Menschen sind verunsichert, wenn die Anordnung zur MPU im Briefkasten liegt. Das Internet ist voll mit Informationen, die entweder Angst machen oder über 20 Jahre alt sind. Hier erfahren Sie sachlich und aktuell, wie die MPU wirklich abläuft – Schritt für Schritt.
Die 4 Teile der MPU im Überblick
- 1. Schriftlicher Teil – Fragebogen zu Gesundheit, Lebenssituation und Konsum
- 2. Leistungstests – Reaktion, Aufmerksamkeit, Konzentration am Computer
- 3. Ärztliche Untersuchung – Gesundheit, Blut-/Urinwerte, Abstinenz-Einschätzung
- 4. Gespräch mit dem Psychologen – der entscheidende Teil
Vor der Begutachtung: Was Sie mitbringen und beachten sollten
Erscheinen Sie pünktlich und mit einem gültigen Ausweis – ohne gültiges Dokument kann die Begutachtung nicht stattfinden. Tragen Sie bequeme Kleidung; es wird ein langer Tag mit vielen Wartezeiten. Wichtig bei der Anmeldung: Teilen Sie mit, dass das Gutachten ausschließlich an Sie und nicht an die Behörde gesendet werden soll. Sie sind der Auftraggeber und entscheiden, wer das Ergebnis erhält – ein negatives Gutachten sollte nicht in Ihrer Akte landen.
1Der schriftliche Teil
Nach der Anmeldung füllen Sie im Wartebereich einen Fragebogen aus – zu Krankheiten, Medikamenten, Ihrer persönlichen und beruflichen Situation und Ihren Hobbys. Bei einer Alkohol- oder Drogen-MPU kommt ein zusätzlicher Fragebogen zum Konsum dazu. Anschließend geben Sie ihn am Empfang ab.
2Die Leistungstests
In einem ruhigen Raum sitzen Sie an einem PC mit einer speziellen Tastatur (fünf farbige Tasten, zwei längliche Tasten, Zahlen 1–9). Eine persönliche Einweisung gibt es meist nicht – lesen Sie die Erklärungen am Bildschirm aufmerksam, bevor Sie starten. Üblich sind:
- Verkehrsauffassungstest: Ein Bild erscheint zwei Sekunden, danach kreuzen Sie an, was Sie gesehen haben (Ampel, Schild, Fußgänger …).
- Abstrakter Auffassungstest: Ist das untere Bild bei den oberen fünf dabei? Grün = ja, Rot = nein.
- Linienverfolgungstest: Sie verfolgen eine Linie im „Spaghetti-Bild“ zum richtigen Ausgang.
- Determinationstest: Sie reagieren schnell auf Farben, Töne und Fußpedale – das Tempo steigt.
Jeder Test dauert etwa sechs Minuten – je mehr Sie korrekt schaffen, desto besser. Für die Klasse B reichen meist 16 % pro Test, für Lkw/Bus sind 36 % nötig. Schaffen Sie die Werte nicht, ist – bei sonst positivem Verlauf – manchmal eine Fahrverhaltensbeobachtung möglich (ca. 400–500 €). Wird sie angeboten, ist das ein gutes Zeichen: Sie haben das Gespräch bestanden.
3Die ärztliche Untersuchung
Der Arzt fragt zu Gesundheit, Medikamenten und verkehrsrelevanten Erkrankungen und führt einfache Koordinationsübungen durch (Finger-Nase-Test, Stehen auf einem Bein, Seiltänzergang). Bei einer Alkohol-MPU werden die Leberwerte (GOT, GPT, Gamma-GT) per Blutuntersuchung geprüft, bei einer Drogen-MPU meist eine Urinkontrolle gemacht. Hier wird auch eingeschätzt, ob und wie lange Abstinenznachweise erforderlich sind. Ein Medikamentenplan oder eine ärztliche Bescheinigung kann hilfreich sein.
4Das Gespräch mit dem Psychologen
Das ist der entscheidende Teil – hier scheitern die meisten. Der Gutachter hat vorab Ihre Akte gelesen und mit dem Arzt gesprochen. So stellen Sie es sich vor:
Ein schwarzes Blatt Papier, auf das eine Taschenlampe einen kleinen weißen Punkt wirft – dieser Punkt ist die Aktenlage. Alles andere liegt noch im Dunkeln. Die Aufgabe des Gutachters ist es, Licht hineinzubringen.
Dazu fragt er systematisch zu Vorgeschichte, Ursachen und Veränderung: Wie viel und wie oft haben Sie früher getrunken? Wie kam es dazu? Was hat sich seitdem geändert – und warum ist diese Veränderung stabil? Zwischen Vorfall und MPU sollten in der Regel mindestens sechs Monate liegen. Das Gespräch dauert maximal etwa 60 Minuten, und der Gutachter schreibt alles mit – es bleibt also wenig Zeit für langes Überlegen.
Rechnen Sie damit, unterbrochen zu werden („Warten Sie, ich muss das aufschreiben“). Der Gutachter zeigt dabei wie ein Pokerspieler nicht, ob Ihre Antworten gut waren. Am Ende kommt oft: „Möchten Sie noch etwas hinzufügen?“ – ein häufiger Fehler ist, hier in die Mitleidsschiene zu rutschen („Es tut mir so leid, ich brauche meinen Führerschein“). Damit reden sich viele um Kopf und Kragen.
Nach der Begutachtung
Sie lesen die Mitschrift und unterschreiben. Manche Gutachter geben eine erste Tendenz, andere grundsätzlich nicht – keine Prognose bedeutet nicht, dass Sie durchgefallen sind. Das Gutachten kommt meist in zwei bis drei Wochen. Bei erhöhten Leberwerten kann es sein, dass zusätzlich eine Haaranalyse oder ein PEth-Bluttest verlangt wird.
Planen Sie für diesen Tag nichts anderes ein – die stundenlange Anspannung ist anstrengend; viele sind danach völlig erschöpft. Reisen Sie früh an und gehen Sie die Sache ruhig und konzentriert an.
Wichtig: Die Sache mit den Abstinenznachweisen
Ein häufiger und teurer Irrtum: Im Schreiben der Führerscheinstelle steht meist nichts von Abstinenznachweisen – die Behörde fordert sie nicht an. Viele schließen daraus, sie bräuchten keine. Das ist falsch. Die Führerscheinstelle ordnet nur die MPU an; ob und wie lange Abstinenznachweise nötig sind, entscheidet sich erst bei der Begutachtung. Deshalb ist es wenig sinnvoll, erst zur MPU zu gehen, um dort festzustellen, dass man sie eigentlich gebraucht hätte.
Das ganze Thema im Video
Häufige Fragen zum MPU-Ablauf
Wie lange dauert die MPU?
In der Regel 4 bis 5 Stunden. Ein großer Teil davon ist Wartezeit zwischen den einzelnen Abschnitten. Planen Sie für den Tag nichts anderes ein.
Aus welchen Teilen besteht die MPU?
Aus vier Teilen: dem schriftlichen Teil (Fragebogen), den Leistungstests am Computer, der ärztlichen Untersuchung und dem Gespräch mit dem Psychologen. Die Reihenfolge ist nicht festgelegt.
Was wird bei den Leistungstests geprüft?
Aufmerksamkeit, Auffassung, Konzentration und Reaktionsfähigkeit – z. B. Verkehrsauffassung, Linienverfolgung und ein Determinationstest. Für die Klasse B reichen meist 16 % pro Test, für Lkw/Bus 36 %.
Bekomme ich das Ergebnis sofort?
Nicht zwingend. Manche Gutachter geben am Ende eine erste Tendenz, andere grundsätzlich nicht. Das schriftliche Gutachten kommt meist in zwei bis drei Wochen. Keine Prognose heißt nicht, dass Sie durchgefallen sind.
Brauche ich für die MPU Abstinenznachweise?
Das entscheidet sich erst bei der Begutachtung, nicht bei der Führerscheinstelle. Dass die Behörde keine fordert, bedeutet nicht, dass Sie keine brauchen. Lassen Sie das vorher klären, statt es bei der MPU zu riskieren.
Gehen Sie nicht unvorbereitet zur MPU
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Martin Sliwinski
Verkehrstherapeut & Gründer der MPU-Erfolgsformel
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