Der Gutachter entscheidet nicht nach Sympathie oder Bauchgefühl – sondern nach einem strikten Regelwerk. Wer das versteht, geht ohne Angst ins Gespräch.
Das Gespräch mit dem Gutachter findet hinter verschlossenen Türen statt – und genau das macht den meisten Sorgen. In Foren liest man dann: „Der Gutachter hat mich provoziert“ oder „Er hat mich durchfallen lassen, weil ihm mein Gesicht nicht passte“. Aber stimmt das wirklich?
Was der Gutachter schon über Sie weiß
Wenn Sie das Zimmer betreten, hat der Gutachter Ihre Akte längst gelesen: das Delikt, Ihre Promille- oder Blutwerte, die polizeilichen und ärztlichen Notizen, weitere Vorfälle und Ihr Führungszeugnis. Wichtig: Er darf Sie zu allen Vorfällen in der Akte befragen – nicht nur zu dem, der die MPU ausgelöst hat. Schauen Sie deshalb unbedingt vorher selbst in Ihre Akte, damit Sie nicht überrascht werden.
Sie müssen liefern – der Gutachter ist Diagnostiker, kein Ermittler
Viele halten die MPU für ein Verhör, bei dem der Gutachter ihnen alles aus der Nase zieht. Das ist ein Irrtum. Er erwartet, dass Sie die Initiative ergreifen und Klarheit liefern. Wer nur kurz, oberflächlich oder defensiv antwortet, bekommt ein negatives Gutachten – nicht aus Bosheit, sondern weil dem Gutachter die Substanz für eine positive Prognose fehlt.
Ihre Aussagen bei der MPU entscheiden darüber, ob Sie bestehen – nicht die Sympathie des Gutachters.
Die Einstufung: A1, A2, A3 – und warum sie alles entscheidet
Bei einer Alkohol-MPU muss der Gutachter Sie zuerst in eine Problematik einstufen:
Die Einstufungen bei Alkohol
- A1 – Alkoholabhängigkeit
- A2 – fortgeschrittene Alkoholproblematik
- A3 – Alkoholgewöhnung oder Gefährdung
Während des gesamten Gesprächs gleicht der Gutachter Ihre Aussagen mit diesen Kriterien ab – und hier schnappt die größte Falle zu. Ein Beispiel: Treten Sie mit sechs Monaten Abstinenz an, muss Ihre Darstellung zu A3 passen. Stuft der Gutachter Sie aufgrund Ihrer Aussagen aber in A2 ein, schreibt das Gesetz zwingend zwölf Monate Abstinenz vor – die Sie dann nicht haben. Die Folge: ein negatives Gutachten, selbst wenn er Ihnen menschlich glaubt. Kein Gutachter verstößt für Sie gegen die Richtlinien.
Deshalb ist es so wichtig, vorher zu wissen, in welche Kategorie Sie fallen und welche Strategie – Abstinenz oder kontrollierter Konsum – für Sie überhaupt funktioniert.
Wie der Gutachter Unstimmigkeiten erkennt
Gutachter arbeiten mit Statistik und Erfahrung. Sagen Sie nach einer Fahrt mit 1,6 Promille „Das war das erste und einzige Mal“, ist das Gespräch in Sekunden gelaufen. Denn um mit 1,6 Promille überhaupt noch fahren zu können, braucht der Körper eine über lange Zeit aufgebaute Alkoholgewöhnung. Wer hier von einem „Ausrutscher“ spricht, zeigt fehlende Selbsteinsicht.
Genauso entlarvend ist die Antwort „Ich war jung und dumm, ich habe nicht nachgedacht“. Das ist eine Ursachenlücke. Der Gutachter will die inneren Motive hören: Gruppenzwang? Mangelndes Selbstwertgefühl? Alkohol als Ventil gegen Stress oder Konflikte? Und weil viele auswendig gelernte Sätze nutzen, bricht er bewusst die Chronologie auf – Gegenwart, dann Delikttag, dann Kindheit. Ein gelerntes Skript bricht dabei wie ein Kartenhaus zusammen.
Die vier Säulen, nach denen bewertet wird
Worauf jede Begutachtung hinausläuft
- 1. Lückenlose Vorgeschichte – Ihr Verhalten realistisch und ohne Beschönigung
- 2. Psychologische Tiefenanalyse – das echte „Warum“ hinter dem Verhalten
- 3. Gelebte Praxisänderung – konkrete, im Alltag bewährte neue Gewohnheiten
- 4. Stabile Rückfallprävention – Ihre Risikofaktoren kennen, Notfallpläne haben
Warum man durchfällt – und warum nicht
Wer durchfällt, scheitert praktisch nie daran, dass der Gutachter ihn „nicht mochte“. Er scheitert, weil er unvollständige, widersprüchliche oder unglaubwürdige Informationen geliefert hat – oder versucht hat, eine Rolle zu spielen, statt seine eigene, reflektierte Geschichte zu erzählen. Die MPU ist kein unbezwingbares Monster, sondern eine logische, fachliche Überprüfung. Wer die Spielregeln kennt, geht ohne Angst hinein.
Das ganze Thema im Video
Häufige Fragen zum MPU-Gespräch mit dem Gutachter
Kann der Gutachter mich willkürlich durchfallen lassen?
Nein. Der Gutachter ist an die Beurteilungskriterien für die Fahreignung gebunden und entscheidet ausschließlich anhand Ihrer Aussagen – nicht nach Sympathie oder Aussehen.
Wonach bewertet der Gutachter mein Gespräch?
Nach Vorgeschichte, Ursachen, Veränderung und Rückfallprävention. Bei Alkohol stuft er Sie zunächst in A1, A2 oder A3 ein – davon hängt unter anderem ab, wie viel Abstinenz erforderlich ist.
Muss ich bei der MPU alles von selbst erzählen?
Ja. Der Gutachter ist Diagnostiker, kein Ermittler. Sie müssen aktiv Klarheit liefern. Kurze, defensive Antworten führen zu einem negativen Gutachten.
Warum glaubt der Gutachter nicht, dass es das erste Mal war?
Weil die meisten Trunkenheitsfahrten unentdeckt bleiben und 1,6 Promille eine über lange Zeit aufgebaute Alkoholgewöhnung voraussetzen. Die Behauptung „einmaliger Ausrutscher“ wirkt deshalb unglaubwürdig.
Reicht es, einfach die Wahrheit zu sagen?
Nicht automatisch. Entscheidend ist, dass Ihre Darstellung in sich stimmig ist und zu Ihrer Einstufung passt. Ohne eine durchdachte Strategie können selbst ehrliche, aber unüberlegte Aussagen zum Durchfallen führen.
Wissen Sie, in welche Kategorie Sie fallen?
A2 oder A3, Abstinenz oder kontrollierter Konsum – diese Einstufung entscheidet über Ihre MPU. In einem kostenlosen 30-Minuten-Erstgespräch schauen wir uns Ihre Akte und Situation an, und ich sage Ihnen ehrlich, wo Sie stehen und wie Ihr Weg aussieht.
„Teuer wird die MPU erst dann, wenn Sie sie nicht bestehen.“
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Martin Sliwinski
Verkehrstherapeut & Gründer der MPU-Erfolgsformel
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